Turkmenistan verbietet das Wort „Coronavirus“

Reporter ohne Grenzen (RSF) ist empört über die absurde Entscheidung der turkmenischen Regierung, das Wort Coronavirus zu verbieten.

Laut der vor Ort zensierten Nachrichtenseite Turkmenistan Chronicle, eine der wenigen Quellen für unabhängige Informationen aus dem Land, dürfen die staatlich kontrollierten Medien das Wort nicht mehr benutzen. Es wurde demnach auch aus den Gesundheitsinformationsbroschüren entfernt, die in Schulen, Krankenhäusern und an Arbeitsplätzen verteilt werden.

„Mit diesem radikalen Schritt zur Unterdrückung jeglicher Informationen über die Pandemie bringt die Regierung ihre Bürgerinnen und Bürger in Gefahr“, sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. „Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, zu reagieren und Präsident Gurbanguli Berdimuhamedow für seine systematischen Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.“

Personen, die Gesichtsmasken tragen oder die auf der Straße, an Bushaltestellen oder in Warteschlangen vor Geschäften über das Coronavirus sprechen, droht offenbar die Festnahme durch Polizistinnen und Polizisten in Zivil. Das berichten Medienschaffende, die in der Hauptstadt Ashgabat für Radio Azatlyk, den turkmenisch-sprachigen Sender von Radio Free Europe/Radio Liberty, arbeiten.

Einseitige Informationen über das Virus
Die Bevölkerung Turkmenistans hat lediglich Zugang zu sehr einseitigen Informationen über die Pandemie. Laut Angaben der Behörden hat sich dort bisher niemand mit dem Virus angesteckt. Präsident Berdimuhamedow ordnete am 13. März als Schutzmaßnahme die Desinfektion öffentlicher Plätze mit einer traditionellen Heilpflanze an.

Die turkmenische Botschaft in Moskau hat eine Hotline für turkmenische Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die wegen der Pandemie in Russland festsitzen. Doch diese verweigert Journalistinnen und Journalisten Auskunft über die Unterstützung für Personen, die nach Turkmenistan zurückkehren möchten. Wie Radio Azatlyk berichtet, warten seit der Schließung der Botschaft am 17. März viele turkmenische Bürgerinnen und Bürger vergeblich am Moskauer Flughafen Domodedowo auf einen Flug in ihre Heimat.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht Turkmenistan auf dem letzten Platz. Die Regierung kontrolliert sämtliche Medien im Land. Das Internet ist nur für wenige Menschen und in einer stark zensierten Version zugänglich. Und die Repressalien gegen die wenigen Journalistinnen und Journalisten, die heimlich für Medien im Ausland arbeiten, nehmen weiter zu. Mehr zur Lage der Pressefreiheit vor Ort finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/turkmenistan.

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