Laos: Vorsteher hetzt ganzes Dorf gegen Christen auf

Drei Familien vertrieben, ihre Häuser zerstört / Behörden ignorieren Hilfegesuch

Anfang Februar 2020 wurden die Bewohner eines abgelegenen Dorfes im Norden von Laos von der Stimme ihres Dorfvorstehers geweckt. Er forderte alle Mitglieder der Gemeinschaft dazu auf, sich mit Hämmern, Messern und Gewehren zu bewaffnen und bei den Häusern der im Dorf lebenden Christen zu versammeln. Wer sich der Aktion nicht anschließen wollte, müsse eine Geldstrafe zahlen.

„Wir stehen über dem Gesetz“
In dem Dorf lebten zu der Zeit drei christliche Familien. Ziel der Aktion war, ihre Häuser zu zerstören und sie aus dem Dorf zu vertreiben. Kurz darauf machten sich die Dorfbewohner mit Holzbrettern, Küchenutensilien und landwirtschaftlichen Werkzeugen daran, die Aufforderung ihres Anführers umzusetzen – teils aus Überzeugung, teils aus Angst vor der Strafe. Während die Zerstörung in vollem Gange war, wollten die Christen vom Vorsteher und den Mitgliedern des Dorfrates wissen, welche Gründe hinter der Aktion steckten und von wem der Befehl dazu gekommen sei. Schließlich sei dies ein Verstoß gegen die gesetzlich garantierte Religionsfreiheit sowie das Dekret 315. (Darin wird u. a. das Christentum zu einer der legalen Religionen erklärt.) Der Dorfvorsteher antwortete: „Wir kennen Dekret 315 und wissen, dass Sie das Recht und die Freiheit haben, Ihre Religion frei zu wählen. Aber wir stehen über dem Gesetz.“ Nach seinen Worten hätten Vertreter des Innenministeriums bei einem kürzlichen Treffen mit dem Dorfrat gesagt: „Dies ist das letzte Mal, dass wir Beamten in Ihr Dorf kommen und über religiöse Angelegenheiten diskutieren. Die Gemeinde soll selbst entscheiden, ob Christen aus dem Dorf vertrieben werden oder ihr Eigentum zerstört wird. Wir sind hier, um der Gemeinschaft zu helfen […], damit sie solche Probleme vermeiden kann.“Als die Christen daraufhin Hilfe bei den zuständigen Behörden suchten, wurden sie ignoriert.

Polizisten verspotten Christen, Dorfbewohner gespalten
Die drei Familien lebten zunächst weiter in den Ruinen ihrer Häuser, die noch nicht vollständig zerstört waren. Zwei Tage nach dem vergeblichen Besuch bei den Behörden bestellte der Dorfvorsteher die Christen zu sich und forderte sie auf, ihren Glauben zu verlassen. Als sie sich weigerten, veranlasste er die vollständige Zerstörung der Häuser und organisierte einen Lkw, der die Christen aus dem Dorf brachte. Auf freiem Feld mussten sie Zelte als eine Art Notunterkunft errichten. Am nächsten Tag suchten Polizeibeamte das kleine Lager auf, doch statt zu helfen, machten sie sich über die Christen lustig.

Einige Dorfbewohner, die sich an der Zerstörung der Häuser beteiligt hatten, kamen ebenfalls zu Besuch. Sie beteuerten, wie sehr sie ihre Taten bedauerten, dass sie aber keine andere Wahl gehabt hätten. Nicht einmal eine Woche später übernahmen zwei andere Dorfbewohner das Land der Christen und bauten neue Häuser darauf.

In der Folgezeit errichteten die Vertriebenen für sich und ihre Familien notdürftige Behausungen aus Holzbalken und Wellblech. Doch wie unsere lokalen Kontaktpersonen uns am vergangenen Wochenende mitteilten, zerstörten von den lokalen Behörden instruierte Anwohner auch diese Behausungen wieder. Der Pastor der Christen ist darum bemüht, gemeinsam mit ihnen eine baldige und dauerhafte Lösung zu finden.

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