Arabische Stämme und Armenier schließen sich der kurdischen Mobilmachung an

Die türkische Armee führt mit ihren islamistischen Milizen einen Angriffskrieg gegen Nord- und Ostsyrien.

  • Die in Nordostsyrien ansässige Nachrichtenagentur NPA meldet schweren Beschuss der Stadt Tel Rifat (Tall Rifaat) im nordsyrischen Kanton Şehba durch die türkische Armee.
  • Die türkische Luftwaffe bombardiert die Innen- und Außenbezirke von Serêkaniyê (Ras al-Ain). Vor wenigen Minuten haben sich auch wieder die Kämpfe im Industriegebiet östlich der Stadt intensiviert.
  • Die Zeitung „Yeni Şafak“, das Sprachrohr der türkischen AKP-Regierung, berichtet von der Hinrichtung der Politikerin Havrin Khalaf durch dschihadistische Sölder der Türkei, es sei eine „erfolgreiche Operation“ gewesen.
  • Bei den Kämpfen um Serêkaniyê (Ras al-Ain) sind am Samstag nach bisherigem Stand 75 türkische Soldaten ums Leben gekommen. 19 weitere wurden verletzt. Außerdem wurden zwei Fahrzeuge mit aufmontierter Flugabwehrkanone und sieben gepanzerte Fahrzeuge zerstört. In Serêkaniyê kommt es seit Stunden zu heftigen Häuserkämpfen.

Armenisches Bataillon nimmt an Verteidigung von Serêkaniyê teil
Das erste armenische Bataillon Syriens, das Bataillon „Şehîd Nubar Ozanyan“, ist aus Til Temir abgezogen und hat sich der Verteidigung von Serêkaniyê angeschlossen.
Das Bataillon „Şehîd Nubar Ozanyan“, dessen Gründung zum 104. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern am 24. April in Nordsyrien ausgerufen wurde, ist am Samstag von Til Temir nach Serêkaniyê (Ras al-Ain) verlegt worden. Somit beteiligt es sich aktiv an der Verteidigung der multiethnischen Stadt.

Vor zwei Tagen hatte das armenische Bataillon die Öffentlichkeit in einer Videobotschaft zum Widerstand gegen den Angriffskrieg der Türkei gegen Rojava aufgerufen (wir berichteten im Liveticker). In der Erklärung heißt es: „Wir akzeptieren eine Besatzung Nordost-Syriens durch den türkischen Staat nicht. Der türkische Staat verübte schon Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als er 1915 mehr als eine Million Armenier ermordete. Heute greift er den Nordosten Syriens brutal an und will die Völker und das demokratische Zusammenleben vernichten. Doch die Völker der Region; Kurden, Armenier, Syrer und Araber werden das nicht zu lassen.“

Die Stadt Serêkaniyê wird seit Tagen heftig umkämpft. Sie liegt entlang einer wichtigen Versorgungsroute zwischen den Städten Girê Spî (Tall Abyad) im Westen und Qamişlo im Osten. Die Türkei hatte zwar jubelnd die Einnahme von Serêkaniyê gemeldet, die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) dementierten dies jedoch. In der strategischen Stadt finden weiterhin heftige Gefechte und Häuserkämpfe statt, die türkische Armee führt fast ununterbrochen Luft- und Bodenangriffe durch.

Bataillon „Şehîd Nubar Ozanyan“
Das nach dem Revolutionär Nubar Ozanyan (Nom de Guerre: Orhan Bakırcıyan), einem Kommandanten der TKP/ML-TIKKO, der am 14. August 2017 im Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat” (IS) in Raqqa fiel, ist der erste militärische Verband der Armenier*innen in Nord- und Ostsyrien. Bei den Kämpferinnen und Kämpfern des Bataillons handelt es sich um Nachfahren von Überlebenden des Armenischen Genozids, die aus Provinzen wie Amed (Diyarbakir), Riha (Urfa), Mûş (Muş), Bedlîs (Bitlis), Dîlok (Antep) und Êlih (Batman) in Nordkurdistan nach Syrien deportiert wurden.

50.000 Kämpfer der arabischen Stämme in Nord- und Ostsyrien haben sich der Mobilmachung der Autonomen Selbstverwaltung angeschlossen.
Die Stammesvertreter erklärten, die QSD seien die einzige Kraft, die die Region verteidigt.

50.000 Kämpfer der arabischen Stämme in Nord- und Ostsyrien haben sich der von der Autonomen Selbstverwaltung ausgerufenen Mobilmachung angeschlossen und bekanntgegeben, am Widerstand gegen den Angriffskrieg der Türkei gegen Rojava teilzunehmen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten die Repräsentanten und Führer der Stämme, vereint hinter den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) zu stehen, weil die QSD „jeden Zentimeter des Landes mit ihrem Blut vom Terror befreit haben“ und die einzige Kraft seien, welche die Region verteidigt.

Die Stämme hoben hervor, dass sie einer „barbarischen osmanischen Besatzungsmacht“ gegenüberstünden, unter der sie bereits über Jahrhunderte Leid ertragen mussten. Die dschihadistischen Söldner, die nun an der Seite der Türkei einen Raub- und Plünderungsfeldzug durch Nord- und Ostsyrien führen wollten, „standen im Syrienkrieg bereits unter dem Namen anderer terroristischer Fraktionen im Dienst des türkischen Staates“, hieß es weiter.

„Deshalb sind wir als die Ältesten der arabischen Stämme in Nord- und Ostsyrien bereit, 50.000 Kämpfer zur Verfügung zu stellen, um uns unter dem Banner der Demokratischen Kräfte Syriens der Konfrontation mit den barbarischen Besatzern und ihrer Söldner anzuschließen. Die Jugend der Stämme wird sich gegen die Invasionsangriffe zur Wiederbelebung des Osmanischen Reiches bis zum Äußersten wehren.“

Die Stämme unterstrichen, dass die Grundlage für ein friedliches, gleichberechtigtes und harmonisches Leben die Geschwisterlichkeit der Völker sei: „Darum werden wir mit allen in der Region lebenden Völkern gemeinsam unsere Grenzen schützen.“

Weiter hieß es: „Wenn wir zwei Millionen Menschen, die aus verschiedenen Teilen Syriens flüchten mussten, bei uns aufnehmen konnten, dann können wir auch die drei Millionen syrischen Bürger, die von denen Erdoğan so gern spricht, bei uns aufnehmen. Die osmanischen Invasoren beabsichtigen mit fadenscheinigen Argumenten nichts anderes als die Region zu besetzen. Wir aber benötigen niemanden, der uns belehrt und erklärt, was Menschlichkeit bedeutet.“

Die Stämme riefen die QSD-Generalkommandantur zudem auf, jeden Teil des Landes „von Dscharablus über Efrîn bis nach Iskenderun“ zu befreien. Die Orte, die unter der Besatzung des türkischen Staates stehen, seien „Nester des Terrors“. Außerdem appellierten die Stammesältesten an die türkische Öffentlichkeit, die AKP und Erdoğan nicht länger zu unterstützen: „Sie säen nichts anderes als Feindseligkeit und Hass zwischen unseren Völkern. Hass bildet die Grundlage für eine Invasion in unserer Heimat, die unsere Kinder töten und Eltern vertreiben wird.“

In ihrer Erklärung forderten die Stämme von den Vereinten Nationen und der Arabischen Liga „ihrer Rolle als ethisches Gewissen“ gerecht zu werden.

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Ein Gedanke zu “Arabische Stämme und Armenier schließen sich der kurdischen Mobilmachung an

  1. Der Osmanische Kurdenmörder Erdogan, ein Mitglied der NATO und Liebling von vielen Brüsseler Versagern, verstößt gegen Menschenrechte und sämtliche Regeln. Widersprechen umfassend den Sonntagsreden dieser EU Heuchler und Lügner. Merkel & Co schauen diesem scheußlichen Verbrechen zu. Die „glühenden Europäer“, die allesamt alles kritisieren und anprangern rühren, außer salbungsvolle Beschwichtigungen, keinen Finger. Diese hochbezahlten Abzocker und Pharisäer können Trump und Putin für diese Sauereien nicht verantwortlich machen. Europäer und Türken hatten im 19. Jahrhundert den Nahen Osten fest im Griff. Gräueltaten: Sklavenhandel, Landraub, Ausbeutung usw. waren in ihrem Tun fest verankert. Diese atheistische Clique und Speichellecker der Türken, haben sich ihrer Maske entledigt. Die Fratze des Bösen ziert nun wieder die Fassade ausgekochter Schurken.

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