Al-Sisi wünscht eine “religiöse Debatte” ohne extremistische Denkweisen

Ägypten

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Der ägyptische Präsiden Abdel Fattah al Sisi fordert arabische und muslimische Bürger erneut auf, gemeinsam den Terrorismus zu bekämpfen und eine “freie religiöse Debatte” zu führen.

„Die muslimische Welt”, so das ägyptische Staatsoberhaupt, “befindet sich in einer sehr gefährlichen Phase und sieht sich mit ganz neuen Herausforderungen für das Leben der Völker konfrontiert“. Dies erfordere „gemeinsame Anstrengungen und die Überwindung von Differenzen“.
Der Präsident äußerte sich in diesem Sinne in einer Fernsehsendung anlässlich der Laylat Al-Kadr, jener Nacht in der Mohamed die Offenbarung empfangen haben soll. Insbesondere wandte sich al-Sisi in seinem Appell an die Vertreter der sunnitischen al-Azhar-Universität, mit der Bitte um ein “Nachdenken über die religiöse Debatte”, die von allen Faktoren befreit werden soll, die das Verhalten in muslimischen Gemeinden negativ beeinflussen.
Es ist nicht das erste Mal, dass der ägyptische Präsident die muslimischen Autoritäten auf die Dringlichkeit einer energischen Bekämpfung des Fanatismus hinweist. In einer berühmten Ansprache an die Wissenschaftler und Religionsvertreter der al Azhar hatte al-Sisi zum Beginn des Jahres 2015 erklärt, dass die muslimische Welt vom Rest der Welt nicht als “Quelle der Angst,

der Gefahr, des Todes und der Zerstörung” betrachtet werden dürfe, weshalb die Anführer des Islam eine „religiöse Revolution“ anstoßen sollen, die Fanatismus überwindet und durch eine „erleuchtete Weltanschauung“ ersetzt.

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Ein Gedanke zu “Al-Sisi wünscht eine “religiöse Debatte” ohne extremistische Denkweisen

  1. Die Rede und die vorgebliche Absicht des ägyptischen Diktators sind, rundheraus gesagt, letztlich nur Lügen. Bisher ist nur zu beobachten, wie unter den Augen seiner Regierung und, wie vielfach längst unterstellt wird, vermutlich sogar unter ihrer ausdrücklichen Billigung und Förderung in ganz Ägypten eine Islamisierung ungeheuren Ausmaßes stattfindet. Er, der „Präsident“ höchstselbst, befeuert islamistische Äußerungen und bereitet somit einem äußerst kruden Islamismus selbst den Weg. Wie er in seiner eigenen Abschlussarbeit in einer US-Militärakademie vor weit mehr als 10 Jahre selbst geschrieben hat, akzeptiert er weder für Arabien noch für Ägypten eine Demokratisierung, sondern verlangt nach einer Umsetzung islamischen Rechts in allen Lebensbereichen seiner Heimat. Die „Revolution“, von der er spricht, sieht er persönlich in der Entfernung aller Werte und Lebensrezepte (aus dem Westen) von den Straßen Ägyptens – insofern, und das ist Teil der vermutlich durchaus gewollten Doppeldeutigkeit seiner Rede, erwartet er von der al-Azhar-Moschee eine Radikalisierung.
    Der höchst massive Fehler, den der gesamte Westen vermutlich aufgrund seines intensiven Wunschdenkens begeht ist, dass der Kurs Ägyptens durch den neuen Diktator in die exakt entgegengesetzte Richtung in Marsch gesetzt und jede (neue, demokratische) Freiheit krudem und bizarrsten Islamismus Platz machen wird. Es verhält sich also exakt anders herum als von vielen beklatscht, erwartet und goutiert: al-Sisi verlangt keine Abkehr von Sharia, Versteinerung und Rückständigkeit – sondern im Gegenteil einen strammen Marsch direkt dort hinein!

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